Drei neue Mitglieder in der Studienleitung und eine neue stellvertretende Akademiedirektorin wurden am 12. Oktober 2026 in der Evangelischen Akademie Tutzing feierlich in ihr Amt eingeführt.
Mit der Berufung von Pfarrerin Dr. Barbara Hepp (Medizin & Gesundheit, Spiritual Care und Persönlichkeitsentwicklung), Pfarrer Hans-Martin Gloël (Theologie, Interreligiöser Dialog, Gesellschaft, Politik) und Pfr. Reiner Schübel (Theologie, Interreligiösen Dialog, Ökumene und Gesellschaft) an die Evangelische Akademie Tutzing sind im Kollegium der Studienleiterinnen und Studienleiter alle Stellen wieder besetzt. Akademiedirektor Udo Hahn dankte dem Träger, der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, für diese Entscheidung. Diese Unterstützung ermögliche im laufenden Entwicklungsprozess „Stabilität im Übergang“. Gegenwärtig werde an einem Konzept gearbeitet, das den Auftrag der Akademie über 2030 hinaus sichern soll. Dazu gehört, dass die Evangelische Akademie Tutzing und die Evangelische Stadtakademie München enger zusammenarbeiten. So sind die Leiterin der Stadtakademie, Dr. Barbara Hepp, und Hans-Martin Gloël mit je einer halben Stelle in München und Tutzing tätig.
In einem feierlichen Gottesdienst wurde darüber hinaus Annette Findeiß in ihr Amt als stellvertretende Akademiedirektorin eingeführt. Seit 2015 leitet sie die Verwaltung der Akademie und ist seitdem auch Mitglied der Dienststellenleitung. Die vierfache Amtseinführung stellt eine Premiere in der Akademiegeschichte dar – darauf verwiesen sowohl Akademiedirektor Pfarrer Udo Hahn als auch Cornelia Spehr, die Vorsitzende der Mitarbeitendenvertretung.
In seinem Grußwort ging Kuratoriumsvorsitzender Peter Küspert, früherer Präsident des Oberlandesgerichts München und des Bayerischen Verfassungsgerichtshofes, auf das 80. Jubiläum der Bayerischen Verfassung am 26. Oktober ein und zog eine Parallele zur Akademie. Menschenwürde und Toleranz, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie, Solidarität und Gemeinwohl seien dieselben Grundideen, an denen sich die Arbeit der Akademie orientiere, so Küspert. „Wenn man es pointiert formulieren will, betreibt die Akademie eine Art zivilen Verfassungsschutz, allerdings ohne die konspirative Anmutung, die Verfassungsschützer sonst gerne pflegen, dafür aber aus christlicher Verantwortung.“
Die Akademie komme dieser Aufgabe nach, „indem sie gesellschaftliche Veränderungen analysiert, unterschiedliche Perspektiven zu kontroversen Zeitfragen anbietet und das Aushandeln von Lösungen fördert. Vor allem aber bringt sie Menschen zum persönlichen Gespräch und zum konstruktiven Austausch zusammen.“ Küspert weiter: „In einer Zeit, in der öffentliche Debatten gereizt wie selten zuvor verlaufen, in der viel zu oft Emotion Argument schlägt, sind die Rückbesinnung auf das Gespräch als demokratische Tugend und deren Pflege wichtiger denn je. Es braucht das sachliche und wertschätzende Ringen um Positionen innerhalb der Zivilgesellschaft, nicht das Zuschreien eigener Gewissheiten und Identitäten.“
Udo Hahn stellte in seiner Predigt einen Vers des Apostels Paulus in den Mittelpunkt: „Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden…“ (Römer 5,5a). Hoffnung, so Hahn, sei ein hohles Wort geworden. Wer aktuell von Hoffnung spreche, könne dies nur mit Blick auf die vielfältigen Krisen. Jeder zuversichtliche Gedanke pralle an den individuellen Wunschvorstellungen ab. Die Hoffnung, von der die Bibel spreche, blende die Realitäten des Lebens nicht aus und vertröste nicht aufs Jenseits. „Sie ist eine Kraft, die – wie auch die Liebe – sich nicht aufschieben lässt, sondern im Hier und Jetzt wirken will“, betonte Udo Hahn. In der Evangelischen Akademie Tutzing werde seit fast achtzig Jahren Hoffnung praktiziert, gelebt, gebetet und gearbeitet, als hofften alle, die hier zusammenkommen. Und es werde miteinander diskutiert, als gäbe es noch Aussicht auf Einigung. Das sei nicht spektakulär, weil es erst einmal ums Zuhören gehe, etwa den Betroffenen sexualisierter Gewalt. Oder ums Wahrnehmen, dass sich so viele Bürgerinnen und Bürger in der Zivilgesellschaft engagierten. So sei für viele die Evangelische Akademie Tutzing ein „Zentrum gesellschaftlicher Hoffnung“ – geprägt von der Haltung des evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer: „Mag sein, daß der Jüngste Tag morgen anbricht, dann wollen wir gern die Arbeit für eine bessere Zukunft aus der Hand legen, vorher aber nicht.“
Kirchenrat Karsten Schaller zitierte in seinem Grußwort Martin Luther, der davon sprach, dass das Leben kein Sein, sondern ein Werden ist. Auch Annette Findeiß und die drei neuen Mitglieder der Studienleitung erlebten an diesem Abend ein „Werden“ in neuen Aufgaben und Rollen, so Schaller. Er sagte weiter: „Zugleich geht es bei der Akademie wie auch der Kirche immer um ein Werden: die Frage, wie wir heute unserem Auftrag am besten gerecht werden können. Hier ist die Evangelische Akademie Tutzing gerade in einem Denkprozess, wie sie selbst gut in die Zukunft gehen kann. Solche Prozesse sind nie ganz einfach und manchmal auch mühsam.“ Schaller wünschte allen Beteiligten dazu Gottes Segen und das Vertrauen, dass aus diesem Werden auch etwas Gutes wachsen kann, weil Gott selbst mit seinem Segen dabei ist.
Auch Pfr. i.R. Frank Kittelberger, Vorsitzender des Freundeskreises der Akademie, überbrachte Glück- und Segenswünsche und zitierte dabei den Philosophen und Theologen Johann Amos Comenius mit den Worten: „Alles fließe aus eigenem Antrieb, Gewalt sei fern den Dingen.“
Aufmacherbild: Gottesdienst zur Amteseinführung im Musiksaal der Akademie: Das Bild zeigt Akademiedirektor Udo Hahn, seine Stellvertreterin und Verwaltungsleiterin Annette Findeiß sowie die drei neuen Studienleiter und Pfarrer: Reiner Schuebel, Barbara Hepp und Hans-Martin Gloël. (v.l.n.r.)
Autorin: Dorothea Grass, Evangelische Akademie Tutzing
Bildnachweis: Mrozek-Abraham, Evangelische Akademie Tutzing
